IMG_20131002_171059.jpg
Ich gehe gern auf die Johann-Bruecker-Schule, weil ich die Möglichkeit habe, in das Schülercafe zu gehen.
Alle Zitate lesen Julian, 12 Jahre

Lerngang der Klassen 6 in die Ulu-Moschee nach Sindelfingen

SitzkreisSitzkreis vor der Gebetsnische

Herr Kaplan, Vorbeter der Moschee und im alltäglichen Leben Autohändler, gab am Freitag den mehr als fünfzig Sechstklässlern unserer Schule durch seine freundliche Art und seine lebensnahen Erklärungen einen spannenden Einblick in den muslimischen Glauben – und musste vor lauter Rückfragen aufpassen, dass er mit den eineinhalb Stunden Zeit für die Führung einigermaßen hinkam.

Leitlinie seiner Erläuterungen waren die fünf Säulen des Islam: das Glaubensbekenntnis, das Gebet, die Armensteuer, das Fasten und die Pilgerfahrt. Unseren Schülern waren die fünf Säulen des Islams zwar aus dem Unterricht bekannt, aber die vertiefenden Ausführungen eines praktizierenden Muslim zeigten doch erweiternd die eine oder andere Facette, die wir als christliche Religionslehrer nicht so „echt" vermitteln können.

Das Glaubensbekenntnis in arabischer Sprache vorgetragen bekam etwas Geheimnisvolles und Feierliches. Herr Kaplan betonte: „Allah" (arabisch) und „Gott" (germanisch) seien lediglich Bezeichnungen in unterschiedlichen Sprachen für den einen Schöpfer der Welt. Insofern nennt der erste Teil des muslimischen Glaubensbekenntnisses das Juden, Christen und Muslime Verbindende: „Ich bekenne: Es gibt keinen Gott außer Jahwe / Gott / Allah."

KoranBlick in den KoranBeim Gebet staunten unsere Schülerinnen und Schüler nicht schlecht: Das Morgengebet ist vor Sonnenaufgang zu verrichten, das heißt jetzt im Sommer vor fünf Uhr morgens aufstehen! „Aber Allah ist barmherzig. Vor kurzem kam ich erst sehr spät von einer Reise zurück und da hat Allah mich den Wecker überhören lassen. Es war IHM wichtiger, dass ich etwas ausschlafen konnte. Ich habe das Frühgebet dann nachgeholt." Im Rahmen des Gebets kann jeder Muslim die Koranstelle, die ihm besonders wichtig ist, auswendig vortragen. Morgens und abends erfolgt das Beten in Form eines melodischen Sprechgesangs.

Die Armensteuer soll bei den Reichen den Dank gegenüber Allah für die Gaben, die er schenkt, wach halten und bei den Armen den Neid auf die Vermögenden vermeiden helfen. „Wenn ich als Armer weiß, dass der Ferrari-Fahrer für seinen Luxuswagen 5000,- Euro Armensteuer im Jahr zahlt, dann werde ich ihm nicht mit einem Nagel den Lack zerkratzen." Oft wird die Spende direkt gegeben. Dabei soll jedoch der Arme auf keinen Fall beschämt werden.

„Das Fasten im Monat Ramadan ist wie ein jährlicher TÜV für den menschlichen Körper. Alles Schädliche wird ausgeschwemmt und der Glaubende kann sich ganz auf Allah ausrichten." Gerade beim Fasten wird auch Allahs Weisheit deutlich: Das Mondjahr ist elf Tage kürzer als das Sonnenjahr. So wandert der Ramadan im Laufe eines Lebens durch die Jahreszeiten. Jeder hat es einmal ganz gut, weil die Zeit von Sonnenaufgang bis zu ihrem Untergang eher kurz ist (im Winter) und dann aber auch sehr lang (von morgens fünf Uhr bis abends neun Uhr nichts essen und trinken, wenn der Ramadan in den Sommer fällt).

KronleuchterDer Kronleuchter in der MoscheeTeurer Höhepunkt im Leben eines Muslims (zurzeit etwas mehr als 3000,- €) ist die Pilgerreise nach Mekka. „Beeindruckend wie dort", so erzählte Herr Kaplan voller Begeisterung, „an den heiligen Stätten die sozialen Unterschiede zwischen den Menschen verschwinden. Ob Arbeiter am Band oder Vorstandsvorsitzender, alle tragen in dieser Zeit ein schlichtes weißes Pilgergewand und sind Teil einer großen internationalen Glaubensgemeinschaft!"

Unser Lerngang in die Moschee nach Sindelfingen hat den Schülerinnen und Schülern gezeigt: das Fremde bekommt in der Begegnung ein menschliches Gesicht und ist zugleich eine herausfordernde Anfrage an die eigene christliche Glaubenspraxis.

Manfred Schnitzler, Birgit Vollmer und Karin Berka

Nächste Termine

  • 21.07.
    50.Schuljubiläum
  • 25.07.
    Zeugnisausgabe - letzter Schultag