Bild-3.jpg
Ich gehe gern auf die Johann-Bruecker-Schule, weil das Lernen hier Spaß macht.
Alle Zitate lesen Lisa, 15 Jahre
Bild-1 web

Die beiden Kunstgruppen der Klassen 10 begaben sich am Dienstagmittag, den 10. Februar 2015, auf Stippvisite zu zwei sehr unterschiedlichen Künstlern: Otto Dix und Dieter Roth. Otto Dix ist mit einigen seiner berühmtesten Werke Stammgast im Kunstmuseum Stuttgart, Dieter Roth ist von Dezember 2014 bis April 2015 eine Sonderausstellung unter dem Motto „Balle Balle Knalle" gewidmet.

Zuerst waren wir im Erdgeschoss des Museums zu Gast bei Otto Dix (1891 – 1969) und begannen mit der Betrachtung seines Triptychons „Großstadt" (1928). Im zentralen Mittelbild feiert eine reiche Oberschicht in grelle Farben getaucht bei Charleston und Champagner das neue Leben nach den Schrecken des Ersten Weltkriegs, während rechts und links leicht abgedunkelt das Elend haust, Kriegskrüppel und durch den Hunger zur Prostitution gezwungene Hausfrauen durchkreuzen den Glanz der Party.
Da die Schülerinnen und Schüler so engagiert mitmachten, blieben wir viel länger als geplant bei Otto Dix zu Besuch. Wir ließen uns anhand des Bildes „Die Tänzerin Anita Berber" (1925) das laszive Schönheitsideal der wilden Zwanziger erklären: blasse, weiß geschminkte Haut, grelle Haare und Kleidung - die Unterwäsche durfte dabei durchaus auch mal zu Hause bleiben.

Bild-2 web

Als Kontrast zur kühl beobachtenden Darstellung des Lebens in einer Großstadt im Stil der neuen Sachlichkeit zeigt das Museum auch etliche Bilder, die das erfreulich „heile" Leben der Künstlerfamilie Dix am Bodensee (Hemmenhofen auf der Höri) zeigen. So konnte es Otto Dix zum Beispiel durchsetzen, dass er schon damals bei der Geburt seiner Kinder dabei sein durfte. Aber anstatt seiner Frau unterstützend die Hand zu halten, skizzierte er eifrig und formte diese Skizzen im Atelier dann zum Teil zu Gemälden aus.

Ganz anders die „Kunst" von Dieter Roth (1930 – 1988) in der 1. und 2. Etage des Museums. Ja, manche Ideen sind originell wie zum Beispiel die, einen Roman oder eine Illustrierte zu einer Wurst aus lauter Seitenschnipseln zu verarbeiten. Eine vielfältige Videoinstallation zeigt den Künstler schon in den frühen 1980-er Jahren in allen möglichen und unmöglichen Lebenssituationen. „Big Brother" hat diese Idee dann fürs private Fernsehen ausgebaut. „Eat & Art" lässt den Betrachter am Veränderungsprozess eines „Kunstwerkes" teilhaben: Wandel und Zerfall sind der Lauf der Dinge. Gänzlich skurril wirkten dann auf mich die Rauminstallationen z. B. „Große Tischruine", die versuchen, Roths Sammelleidenschaft ein Denkmal zu setzen. Weniger charmant könnte man auch sagen: Hier gelingt es einem cleveren Künstler sogar noch aus seinem Messi-Dasein künstlerischen Profit zu erzielen. Immerhin: Auch das ist eine durchaus anerkennenswerte Leistung.

Bild-3 web

So weit ist das Verständnis von Kunst. Das machten die Begegnungen mit Dix und Roth den Schülerinnen und Schülern an diesem Nachmittag klar. Und die Diskussion um die Grenzen der Kunst hat ja auch eine kunsterzieherische Funktion.

Manfred Schnitzler

Nächste Termine

No events found.